YOKOO TADANORI BILDBESCHREIBUNG II

Künstler: Yokoo Tadanori (横尾 忠則) 
Titel: Jules Verne’s Ocean
Entstehungsjahr: 2006
Masse: 2273 x 1813 mm 
Technik: Acryl auf Leinwand
Standort: Setagaya Art Museum, Tokyo

BESCHREIBUNG

Das hochformatige Bild zeigt verschiedene Elemente des französischen Autoren Jules Verne und seinem Werk “20.000 Meilen unter dem Meer”. Im Mittelpunkt steht eine Art Portal, welches von einem ovalen Rahmen umgeben ist. Davor stehen drei Kinder, die das Portal genauer betrachte und sich, dem Anschein nach, voller Neugier, beraten, ob sie selbiges betreten sollen. Über dem Portal befinden sich Porträts des Autoren Jules Verne, auf der rechten Seite ist eine Flagge in einem Buch gestoßen worden und das Portal selbst ist mit kleinen Galaxien sowie einem Sternbild (der große Wagen) versehen, typische Elemente Yokoos zu dieser Zeit. Bei der Flagge handelt es sich um die Flagge die Captain Nemo, der Protagonist von “20.000 Meilen unter dem Meer”, am Südpol hisst.1

Beachtet man weitere Gemälde und Collagen von Yokoo Tadanori, aus der Entstehungszeit dieses Werkes, um 2006 herum, kann man durchaus sagen, dass dieses Gemälde aus der Rot-Phase des Künstlers stammt und besonders zur selbstexotisierung beiträgt. Dieses Werk, zusammen mit der erwähnten Schöpfungsphase Yokoos, prägt nicht nur die bereits etablierte Arbeit des Künstlers sonder zählt gewiss auch zum Heisei aestheticism. 

KOMPOSITION

Die Komposition zeigt, wie oben bereits erwähnt, verschiedene Elemente von Jules Verne und seinem erwähnten Roman. Die Porträts stehen dabei in der oberen Mitte, als eine Art Überschrift. Auffällig ist, dass im Mittelpunkt das Portal steht und dieses auch über den Umfang des Bildes hinaus reicht. Die Flagge, die Captain Nemo am Südpol hisst, ist in ein Buch gestoßen worden und befindet sich auf der linken Seite des Gemäldes. Im Portal selbst erscheinen verschiedene Gebilde die Sterne, Sternbilder (der große Wagen) und Galaxien darstellen. 

Stilistisch bedient sich Yokoo Tadanori bei klassischen Mitteln und fertigt dieses Bild mit Acryl auf Leinwand an. Für seine Arbeit, zu dieser Zeit, war es typisch ebenfalls Material einer Collage in seine Werke einzuarbeiten. Bei diesem Gemälde hat er diese Technik nicht angewendet. Die vorherrschende Farbe ist ein starkes rot, welches den Inhalt des Portals darstellt und hervorhebt. Im Kontrast dazu setzt Yokoo die Porträts von Jules Verne. Diese hält er in der Komplementärfarbe zum starken rot des Portals und der Flagge. 

Die gehisste Flagge im Buch könnte für die Eroberung oder Bewältigung des Buches stehen aber gleichzeitig auch für die Eröffnung einer völlig neuen Welt, die unermesslich groß ist, was durch die Galaxie ähnlichen Gebilde dargestellt wird. Die Porträts von Jules Verne stehen hier eindeutig für die Thematik dieser Welt. Die vor dem Portal stehenden Kinder sind eine Allegorie der Neugier nach dem Unbekannten, dem Neuen und unentdeckten, vielleicht sogar dem Öffnen hin zu neuen Kulturen, Einflüssen und dem Abstreifen der Angst vor Veränderung. 

LITERATUR / INFORMATIONSQUELLEN

VERNE, J. (2020). TWENTY THOUSAND LEAGUES UNDER THE SEA. [Place of publication not identified], VINTAGE.

This image was originally featured in the Pierre-Jules Hetzel edition of “20000 Lieues Sous les Mers”, and has also been featured in more recent editions (this particular instance was scanned in a recent edition). The images were originally drawn by Alphonse de Neuville (1835-1885) and Edouard Riou (1833-1900). They are now the public domain, since their Droit d’auteur is expired. https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5917105 (Abgerufen am 16.07.2020)


  1. 20.000 Meilen unter dem Meer, Jules Verne (1869–1870)

ARBEITSBEGRIFFE (auf Yokoo Tadanoris Gemälde bezogen)

Zu dieser Bildbeschreibungen sollten wir noch drei Arbeitsbegriffe heraus suchen und kurz beschreiben. Meine Wahl viel auf die unteren drei und ich hoffe, dass ich die Beschreibung angemessen gewählt habe.

Selbstexotisierung

Kulturelle Wahrnehmung des eigenen Selbst aber auch die Abhebung von der geprägten bzw. etablierten Norm. Distinktive Darstellung in verschiedenen medialen Formen gerade, im Falle von Yokoo Tadanori, durch seine Kunst und seinen Einfluss in verschiedenen anderen Medien wie Musik oder Film. Prägung eines eigenen Stils, einer eigenen Identität die sich in der Transkulturellen Gesellschaft abhebt und behaupten kann. 

Allegorie

Unter Allegorie versteht man die indirekte Aussage, oder in diesem Fall auch die indirekte Darstellung, eines bestimmten Begriffs oder Ereignisses. Es geht darum etwas nicht sofort ersichtlich darzustellen und den Betrachter, wenn wir bei der bildenden Kunst bleiben, darüber nachdenken zu lassen wofür die jeweilige Darstellung steht. Oft wird dies durch eine oder mehrere Personen dargestellt und sie stehen für eine Handlung, eine Tugend oder auch ein Laster. 

„Heisei aestheticism“ 

Werke aus den verschiedenen Kunstrichtungen wie Literatur, bildende Künste und Film, die die Heisei Zeit (1989-2019) nachhaltig geprägt haben. Sie stellen eine gewisse Ästhetik dar die so nur von Künstlern aus bzw. in der Heisei Zeit zum Ausdruck gebracht wurde und diese Zeit zu einer wichtigen, kulturellen Epoche machen. 


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Mike

Japanologie und Soziologie Student an der Goethe Uni Frankfurt. Geboren 1979 in eine Zeit die von Star Wars, Pixeln und Zeichentrick Serien geprägt war. Nerd mit Herz und aus Leidenschaft. Cineast, Comic Liebhaber mit einem Faible für Marvel. Videospiel- und Serienjunkie, geformt in einer Zeit die heute als Retro bekannt ist. Führt eine Liebesbeziehung mit Japan, der Kultur und dem Nerdtum. Foodie mit Leib und Seele.

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