WISSENSCHAFTLICHES SCHREIBEN #STUDIUM #JAPANOLOGIE

Am Anfang meines Studiums wusste ich nicht wirklich was es bedeutet wissenschaftlich zu schreiben. Ein wenig hat sich der Schleier gelüftet aber so 100% blicke ich immer noch nicht durch. Was ich bisher weiß erfahrt ihr hier.

Eine Kommilitonin hat zu mir gesagt, dass wissenschaftliches Schreiben darin besteht, einfach nur zu zitieren. Fand die Erklärung etwas merkwürdig aber so ganz unrecht hatte sie damit nicht. Denn sobald man etwas aus einer Quelle in seine Arbeit mit einbezieht muss die Quelle angegeben werden. Dies gilt nicht nur für Zitate sondern auch für Ausschnitte, die man mit seinen eigenen Worten wieder gibt.

Meine eigene Einschätzung war, dass um so steifer der Text geklungen hat um so wissenschaftlicher war er. Die Fakten wurden prägnant und nüchtern wiedergeben, ohne drum herum zu reden. Auch das ist, soweit ich das bisher sehen konnte, nur ein Teil der Wahrheit aber trotzdem recht nah an dem wie es ist.

Doch wie ist es denn nun wirklich?

Wissenschaftliches Schreiben beschäftigt sich mit dem Auseinandersetzen von Fakten, Literatur, Kultur und noch vielen weiteren Gebieten. Dies aus verschiedenen Quellen und natürlich ohne viel Schie Schie. Man möchte sich nicht durch Schachtelsätze, Floskeln und Füllwörter wühlen müssen, bevor man an die Fakten gelangt. Durch die Auseinandersetzen, dem Zusammentragen und der eigenen Einschätzung kann man vielleicht sogar neue Fakten erschaffen. Oder auf Zusammenhänge hinweisen, die es so vorher noch nicht gegeben hat.

Beim Schreiben meiner Hausarbeit habe ich natürlich darauf geachtet, dass ich nicht so schreibe wie hier. Sätze kürzer gestalte, nicht ausschweife und etwas direkter Infos wiedergebe. Hat einigermaßen bis mittelprächtig geklappt.

Doch jetzt kommt der lustige Teil. Bei der Besprechung mit meinem Prof. meinte er, dass meine Schreibweise nicht nüchtern und prägnant genug wäre. Aber dennoch wäre es nicht so schlimm, denn er meinte, dass man so eben heute schreiben würde und vielleicht auch die Wissenschaft sich daran orientieren könnte, zumindest ein wenig.

Wenn ich über das wissenschaftliche Schreiben nachdenke, dann kann ich den Ansatz, den auch unser Leitfaden der Uni so vor gibt, schon verstehen. Aber es stellt sich mir auch die Frage, ob nur Wissenschaftler, oder angehende Wissenschaftler, wissenschaftlich schreiben und arbeiten dürfen beziehungsweise sich mit wissenschaftlichen Themen auseinander setzen dürfen? Man, das war viel Wissenschaft in einem Satz, lassen wir das erst mal sacken.

Worauf ich hinaus will. Das wissenschaftliche Arbeiten (Schreiben) beschränkt sich eigentlich nur auf Menschen die einen akademischen Grad haben bzw. vergleichbares. Das ist, meiner Meinung nach, schon mal eine Einschränkung. Dazu kommt dazu, dass diese Arbeit nur an bestimmten Institutionen geschieht, zu dem nur oben erwähnte Menschen Zugang haben. Erneut eine Einschränkung. Veranstaltungen außerhalb dieser Institutionen, aber thematisch gewiss interessant, werden meist nur einem kleinen Personenkreis bekannt gegeben. Die dritte Einschränkung.

Jetzt stellen wir uns mal kurz vor, der oben beschriebene Mechanismus würde sich öffnen. Damit meine ich, dass auch interessierte Menschen, mit einer vollkommen anderen Profession, sich an all dem beteiligen. Sie bekommen Einblick, werden zu Veranstaltungen eingeladen und können sich beteiligen. Abgefahren, oder? Aber es geht noch weiter.

Wir haben ja bereits erwähnt, dass die wissenschaftlichen Arbeiten, inkl. der Schriften, nicht mehr so nüchtern prägnant verfasst wurden, sondern ein wenig offener und zugänglicher. Somit können oben erwähnte Menschen einen besseren Zugang finden. Sie können sich mit den Themen, die sie vielleicht nur als Hobby behandeln, besser auseinander setzen und auf eine ganz andere Art angehen.

Spinnen wir dieses Gedankenspiel ein wenig weiter. In verschiedenen Institutionen gibt es so etwas wie offene Tage, sagen wir ein Mal die Woche. Hier treffen sich Wissenschaftler mit Menschen, die sich mit der selben Thematik beschäftigen, zu einem Austausch. Ergebnisse von Recherchen werden verglichen, interessante Gespräche werden geführt und ein Diskurs beginnt.

Ich will nicht sagen, dass es so etwas nicht gibt aber es scheint mir doch recht selten vor zu kommen. Oder es ist einfach nur der verrückte Gedankengang eines Japanologie Studenten mittleren alters, der in seiner Freizeit vielleicht etwas zu viel Zucker zu sich nimmt.

Mein Fazit möchte ich mit einem Silvester Stalone Film bestreiten. Es handelt sich um Demolition Man (1993) und es geht um das Ende des Films. Folgendes Szenario:

Die Menschen aus der Gesellschaft des San Angeles im Jahre 2032 stehen den Menschen aus dem Untergrund, der Kanalisation, gegenüber. Unterschiedlicher könnten beide Seiten nicht sein. Aus der Kanalisation stammen die schmutzigen und unsauberen Menschen, die über Jahre hinweg, für ihre Art und weise zu leben, unterdrückt wurden. Sie wollen sich nicht unterordnen, essen Fleisch und trinken Bier. Auf der anderen Seite die feine Gesellschaft. Gebildet, sauber, steril, essen weder Fleisch noch Salz und haben auf eine sehr komische Art Sex.

Nun stehen sie dort und fragen sich wie es weiter geht. Die Menschen aus dem Untergrund wollen richtig die Sau raus lassen. Alles umstürzen und sich das holen, was ihnen all die Jahre verwehrt wurde. Was die Menschen aus der Gesellschaft angeht, tja die wissen nicht wie es weiter gehen soll, denn die Grundpfeiler ihres Lebens existiert nicht mehr. Hier hat der Titelheld, gespielt von Silvester Stalone, den zündenden Einfall:

„Ihr (die feine Gesellschaft) werdet ein wenig schmutziger und ihr (die Menschen aus der Untergrund) werdet ein wenig sauberer“

Er schlägt vor, dass man sich in der Mitte treffen sollte! Ich glaube, dass es auch in der Wissenschaft langsam Zeit wird, dass die einen von ihrem hohen Ross herunter kommen und die anderen etwas mehr Mut zeigen. Zum Schluss trifft man sich in der Mitte und wer weiß, vielleicht passiert ja etwas gutes!

Gehören Sie zu den Menschen die gerne zu einem Thema forschen möchten aber kein Akademiker / Wissenschaftler sind? Haben Sie Mut! Suchen sie Zugang, schauen sie nach Veranstaltungen zu Ihrem Thema.

Gehören Sie zu den Menschen die sich als elitäre Forscher fühlen und möchten ihr Wissen nur in eben diesem Kreis teilen? Tja, sie sollten sich schämen denn Wissen sollte für jeden Zugänglich sein. Seien sie nicht so verbissen, gehen sie raus in die Welt, denn wer weiß, vielleicht bekommen sie genau dort den Anstoß der ihnen gefehlt hat.

Vielen Dank, dass Du bis hier hin durchgehalten hast und dich durch meine verrückten Ideen gelesen hast. Hast Du auch verrückte Ideen? Schreib sie mir in die Kommentare.

BEITRAGSBILD

Heute stammt das Beitragsbild aus einem Stadtteil in Yokohama und zwar China Town. Ich kann leider nicht sagen, ob dieser Stadtteil wirklich so genannt wird aber als wir hindurch gingen kamen wir uns wirklich wie in China Town vor. In einem Dim Sun Restaurant haben wir uns dann auch authentische, chinesische Speisen schmecken lassen. Yokohama ist nur ein Steinwurf von Tokio entfernt. Solltet ihr also in Tokio verweilen, dann besucht auf jeden Fall Yokohama, es lohnt sich. Empfehlen kann ich euch die Rundfahrt durch die Bucht bzw. den Hafen, China Town und das Ramen Museum welches im Stil von 1958 gehalten wurde.

Die Fotos wurden von mir persönlich, bei einer meiner Reisen, aufgenommen. Das Copyright liegt bei mir, Verwendung nur auf Nachfrage!

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Mike

Japanologie und Philosophie Student an der Goethe Uni Frankfurt. Geboren 1979 in eine Zeit die von Star Wars, Pixeln und Zeichentrick Serien geprägt war. Nerd mit Herz und aus Leidenschaft. Cineast, Comic Liebhaber mit einem Faible für Marvel. Videospiel- und Serienjunkie, geformt in einer Zeit die heute als Retro bekannt ist. Führt eine Liebesbeziehung mit Japan, der Kultur und dem Nerdtum. Foodie mit Leib und Seele.

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