TÄTOWIERT #JAPAN #JAPANREISEN

Als ich mich über Japan, die Kultur und auch die Reisebedingungen informierte, waren Tattoos natürlich auch ein Thema. In diesem Artikel hatte ich bereits über das Sammeln von Informationen gesprochen, dies hier ist, rein theoretisch gesehen, die Fortsetzung.

DIE GESCHICHTEN

Natürlich hatte ich von den ganzen Geschichten gehört.

  • „Du wirst sofort als Verbrecher gelten, wenn Du deine Tattoos zeigst“
  • „Jeder wird glauben, dass Du zur japanischen Mafia gehörst“
  • „Du wirst Probleme bekommen“
  • „Polizei wird dich ständig kontrollieren“
  • …noch viele mehr!

Bevor es weitergeht noch kurz fürs Protokoll: Meine Tattoos sind nicht zu verstecken, es sei denn ich packe mich in ein Ganzkörperkondom, welches bis zu den Finger und über die Ohren geht. Somit sind sie immer präsent und sichtbar was auch der Punkt ist über den ich mir ein wenig Sorgen gemacht hatte.

DETAILS

Lasst uns die Punkte ein wenig auseinander nehmen und dabei gleichzeitig Entkräften.

„Du wirst als Verbrecher gelten, wenn Du deine Tattoos zeigst!

„Wieso?“ war meine erste Frage, als ich diese Aussage gelesen habe. Ja es ist richtig, Tattoos tragen ein Stigmata in Japan. Denn sie haben eine enge Verknüpfung mit dem organisierten Verbrechen, welche so stark ist das man die Gleichung „Tattoo = Verbrecher“ aufstellen könnte.
Dazu muss man allerdings auch sagen, dass die meisten Japaner eine Art Filter zwischen Auge und Hirn haben, was Tattoos betrifft. Somit kann man die obige Gleichung noch ein wenig erweiten und zwar wie folgt:
1. „Japaner + Tattoo = Verbrecher“
2. „Westler + Tattoo = Westler mit Tattoos“
Ist man ein Westler mit Tattoos, dann hat man dieses Stigmata nicht. Dann ist man einfach ein Ausländer mit Bildern auf der Haut. Die einen finden das stylisch, die anderen nicht aber den Stempel „Verbrecher“ bekommt man auf keinen Fall aufgedrückt.

„Jeder wird glauben, dass Du zur japanischen Mafia gehörst“

GARANTIERT NICHT! Tut mir leid aber das muss ich einfach so deutlich schreiben, denn diese Aussage ist einfach Unsinn. Ich möchte nicht abstreiten, dass die japanische Mafia gewiss auch nicht Japaner als Mitglieder hat ABER dieses Anzahl dürfte so unglaublich gering sein, wenn überhaupt. Die japanische Mafia ist ein Club in den nur Japaner rein dürfen, das ist eine Tatsache an der es nur wenig zu rütteln gibt. Nur Menschen mit sehr wenig Ahnung und sehr vielen Vorurteilen würden so etwas sagen. Außerdem kommt noch dazu, dass meine Tattoos soviel mit den Typischen Mafia Motiven gemeinsam haben, wie eine Schüssel Cornflakes mit einer Schüssel Ramen. Eines vielleicht, ja aber das ist an einer Stelle und in einem Stil gestochen, das würde niemand so machen. Und ja, wenn mich jemand tatsächlich „verdächtigen“ würde, dann würde er auch so genau hin schauen.

„Du wirst Probleme bekommen“

Das ist meine Lieblings Aussagen, denn ich weiß nicht was man mir damit sagen wollte und sie ist so falsch wie die Locken von Atze Schröder.
Bei all meinen drei Trips hatte ich NIEMALS eine wirklich merkwürdige Situation, eine unangenehmes Zusammentreffen oder ähnliches aufgrund meiner Tattoos. Nicht in Supermärkten, nicht in Mals, in einem Museum oder bei Festivals. Könnte noch so viele Sachen aufzählen aber ich hatte wirklich nie das Gefühl, mich würde jemand abwerten aufgrund meiner Bilder auf der Haut.
Was damit eventuell gemein sein könnte, darauf werde ich später noch eingehen.

„Polizei wird dich ständig kontrollieren“

Wieder stand ich vor einem großen „Wieso?“ Muss wieder sagen, dass ich nicht ein Mal von der Polizei kontrolliert worden bin. Dies obgleich der Tatsache, dass ich jeden Tag mehrmals an einer Polizeistation vorbeigelaufen bin, denn diese lag auf dem Weg vom Hotel zur Bahnstation.
Ja es stimmt, an manchen Orten werden Westler von der Polizei kontrolliert aber auch hier werden Ausländer von der Polizei kontrolliert, das ist absolut nichts schlimmes, es sei denn man hat etwas ausgefressen. Ansonsten zeigt man seine Papiere und die Sache hat sich dann oft auch schon erledigt.

KEHRSEITE

Ihr kennt die Geschichten, ihr kennt die Details dazu und nun wollen wir doch mal schauen, was es denn da noch so gibt. Natürlich hat jede Münze noch eine zweite Seite. Oft ist es so, dass eine etwas mehr glänzt als die andere. Deswegen möchte ich euch nicht verschweigen, dass es gewiss ein paar Dinge gibt die ihr beachten müsst. Viele würden diese als „Probleme“ bezeichnen aber ich persönlich halte das für übertrieben. Man darf nicht vergessen, man reist in ein Land mit einer sehr unterschiedlichen Kultur. Natürlich gibt es da Dinge die einfach etwas anders laufen.

SENTO / ONSEN / SCHWIMMBAD

In diesen Einrichtungen kann man schon mal abgewiesen werden, wenn man Tattoos hat. Wieso? Simple, man möchte keine Verbrecher in seinen Einrichtungen haben. Ja, oben hab ich das ein wenig klargestellt aber dennoch, dieses „Tattoos = Verbrecher“ ist so stark und tief verwurzelt, dass es einfach schwierig ist. Da ich den Unterschied zwischen Japanern und Westlern mit Tattoos ja schon beschrieben habe könnte man das natürlich machen. Wäre allerdings eine sehr sehr komisch Angelegenheit. Daher hält man es allgemein.
Nichtsdestotrotz brechen diese Regeln gerade etwas auf, auch weil es sehr viele Sportler mit Tattoos gibt und von denen kommen 2020 so einige nach Japan.
Meiner Meinung nach ist all dies aber auch einfach kein Problem. Es gibt eben diese Regeln und mit der muss man sich abfinden. Einfach ein wenig weiter schauen, im Hotel mal nachfragen oder sich zu Fuß auf die Suche machen. Vielleicht findet man ja eine geeignete Einrichtung oder vielleicht noch was viel spannenderes.

ARBEITEN

So, jetzt kommen wir zu der Thematik die wirklich ein Problem in sich birgt. Im Job wird man mit Tattoos Probleme haben. Hier ist von einem Umschwung nicht all zu viel zu spüren. Klar, ich darf mich da nicht als Beispiel nehmen, denn ich bin da Tattoo technisch schon auf der extremen Seite. Ich werde auch niemals als typischer Salaryman arbeiten aber das will ich ja auch gar nicht. Aber auch bei Lehrer Jobs, Babysitting, sozialer Bereich, im Krankenhaus, etc. kommt man mit Tattoos nicht weit. Hier ist es auch egal, ob man Japaner oder Westler ist. Denn arbeitet man in einer japanischen Firma, dann repräsentiert man diese Firma auch. In diesem Bereichen hat man einfach noch keinen Schritt weiter gedacht und das Stigma, welches auf Tattoos liegt, ist hier einfach noch zu präsent. Mit einem Blick in die Geschichte kann man dies auch verstehen aber ja, für mich ist das auch sehr schade. Dennoch glaube ich, dass ich in Japan einen Job finden werde und bin mir sicher, dass es da was gibt, was zu mir passt.

ÖFFENTLICHE VERKEHRSMITTEL

An mancher Stelle habe ich schon mal gehört, dass es als Rassismus betrachtet wird, wenn man im Bus oder der UBahn sitzt und kein Japaner setzt sich neben einen. Wirklich? Finde ich etwas merkwürdig, denn mir passiert das täglich und zwar nicht in Japan sondern hier in good old germany.
In Japan hat das, glaube ich, weder was mit Rassismus noch mit Tattoos zu tun sondern einfach mit einer gewissen Skepsis dem Unbekannten gegenüber. Es gibt in Japan sehr viele Gesellschaftliche Regeln und viele glauben, dass nicht Japaner diese Regeln einfach nicht kennen. Um dann unliebsamen Situationen aus dem Weg zu gehen, geht man der Person aus dem Weg. Kann ich irgendwie nachvollziehen.

ERKENNTNIS

Als ich dann das letzte Mal 2017 in Japan war hab ich noch etwas festgestellt. In der japanischen UBahn sitzt man nicht in Fahrtrichtung oder gegen die Fahrtrichtung sondern seitlich zu ihr. Eines Abends saß ich in der UBahn, auf dem Weg ins Hotel, und sah mein Spiegelbild im gegenüberliegenden Fenster. Da hab ich gesehen, warum ich alleine sitze. Durch meinen Körperbau und meine Masse bin ich ein „Ungeheuer“ und würde locker als Sumo Ringer durchgehen. Dann noch zu gehakt mit Tattoos, ich kann es irgendwie verstehen, ganz ehrlich.
Trotz dieser Erkenntnis wird es immer Situationen geben in denen Ihr beweisen könnt, dass ihr ein sympathischer Mensch seid der sich für die Menschen und die Kultur dieses Landes interessiert. Nutzt dieses Gelegenheiten!

QUELLEN

Gewiss wird sich der ein oder andere beim Lesen die Frage gestellt haben, woher ich das alles weiß. Nun, ein großer teilt stammt aus eigenen Erfahrungen die ich gemacht habe. Dazu gesellt sich eine gesunde Portion gesunder Menschenverstand. Einiges habe ich auch aus YouTube-Umfrage-Videos die von Japaner in Japan durchgeführt wurden. Da werde ich hier jetzt aber nichts verlinken, eine kurze Suche sollte da gewiss kein Problem sein.

ABSCHLUSS

Das Ré­su­mé beinhaltet auf jeden Fall die Tatsache, dass man nicht alles glauben sollte was man im Internet liest. Aber das sollte auch ohne mein Artikel klar sein. Lasst euch von den ganzen negativen Menschen nicht eure Zeit in Japan kaputt machen. Es gibt auch absolut keinen Grund dafür. Informiert euch, schaut euch um, fragt lieber ein Mal mehr nach und ich verspreche euch, ihr werdet, genauso wie ich auch, keine Probleme haben. Und wenn doch? Bleibt höflich und freundlich und zeigt, das eventuell vorhandene Vorurteile keinerlei Relevanz haben.

BEITRAGSBILD

Das Beitragsbild zeigt eins der vielen Torii Tore im Meiji Schrein. Im verlinkten Artikel hab ich über selbigen Schrein bereits geschrieben. Solltet ihr in Tokio verweilen, dann solltet ihr auf jeden Fall diesen Schrein besuchen. Aber seit gewarnt, hier kann es zum Teil sehr voll werden.

Die Fotos wurden von mir persönlich, bei einer meiner Reisen, aufgenommen. Das Copyright liegt bei mir, Verwendung nur auf Nachfrage!

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Mike

Japanologie und Philosophie Student an der Goethe Uni Frankfurt. Geboren 1979 in eine Zeit die von Star Wars, Pixeln und Zeichentrick Serien geprägt war. Nerd mit Herz und aus Leidenschaft. Cineast, Comic Liebhaber mit einem Faible für Marvel. Videospiel- und Serienjunkie, geformt in einer Zeit die heute als Retro bekannt ist. Führt eine Liebesbeziehung mit Japan, der Kultur und dem Nerdtum. Foodie mit Leib und Seele.

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