MINIMALISMUS #JAPAN

Freitag, 28.09.2018 
Haben wir von allem viel zu viel? Würde es uns weh tun, wenn wir einige Dinge herunter fahren, reduzieren oder zurück schrauben? Kleiner Gedankenausflug zum Thema Minimalismus. 

So individuell wie wir alle sind, so individuell ist für viele auch die Definition von Minimalismus. Für den einen bedeutet es nur einen Porsche zu besitzen, anstatt vielleicht zwei oder drei, für den nächsten sich von nahezu jeglich Materiellem zu trennen. Doch das Grundprinzip ist bei jedem gleich, es geht darum sich von etwas zu trennen. In einer Überflussgesellschaft, in der wir nun mal leben, sollte es gewiss leicht sein sich von Dingen zu trennen. Allerdings leben wir ja nicht umsonst in einer Überflussgesellschaft. 
Auf mich persönlich bezogen merke ich gerade, wie auch mich der Drang nach Reduktion einholt. Ein Beispiel: In meinem kleinen Gemach hab ich nicht sonderlich viel Platz, dennoch hab ich es geschafft hier knapp 1.100 DVDs unter zu bringen. Seit einiger Zeit schaue ich oft auf die Regale und es kommt mir einfach zu viel vor. Man kann immer nur einen Film schauen und bin ich ehrlich, hab ich in den letzten Jahren vielleicht 20 oder 30 Filme aus der Sammlung geschaut. Alles andere passiert nur noch über Netflix oder Amazon Prime Video. Daher hab ich angefangen die Sammlung zu reduzieren. Ich könnte mich zwar jetzt noch darüber auslassen wie grauenvoll es ist 2018 DVDs verkaufen zu wollen aber das ist ein anderes Thema. 
Schaue ich mich ein wenig weiter um, so fallen mir noch weitere Dinge auf die “weg können”. Es kommt mir so viel vor und in gewisser weise fühlt es sich auch wie Ballast an. 

Auch fürs Studium möchte ich mich da in eine andere Richtung bewegen, als ich das vielleicht in der Vergangenheit getan habe. Da muss ich aber erst noch herausfinden wie ich das anstelle, denn das ist bisher nur ein Gedanke den ich habe. Wirklich beschäftigt habe ich mich damit noch nicht. Sollte ich aber vielleicht mal tun, denn lang ist es ja nun auch nicht mehr. 

In der Zukunft versuche ich mich etwas mehr dem Minimalismus hin zu geben, auch darauf bezogen was meine Pläne für die Zukunft angeht. Man möchte ja auch nicht mit zu viel Gepäck reisen. 
Aber ich möchte auch nicht abstreiten, dass mich Japan ein wenig mit diesem “Virus” angesteckt hat. Wie ihr im Bonus Abschnitt lesen könnt, bin ich ein großer Fan des so genannten Tatami Zimmers und diese sind schon sehr minimalstisch eingerichtet. 

BONUS!

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Tatami Zimmer
Die Bilder meines Zimmers im Kimi Ryokan in Ikebukuro, Tokyo. Mein erster Gedanke war, dass es ganz schön klein ist und wenig Mobiliar. Allerdings verflog dieser Gedanke sehr schnell und wich der Erkenntnis, dass man eigentlich gar nicht mehr benötigt. Es reicht vollkommen, zumal man in der Regel zum Schlafen in dieses Zimmer geht oder zum umziehen. 
Der Boden ist mit so genannten Tatami Matten, Matten aus Reisstroh, ausgelegt, welche man nur barfuß oder mit Socken betritt. Diese Matten haben ein bestimmtes Maß und so wird auch die Größe des Raums bestimmt, nicht in Quadratmeter so wie bei uns. Solche Räume sind in so genannte Ryokans (klassische, japanische Hotels) üblich und es gibt auch heute noch Häuser / Appartments mit einem Tatami Zimmer. Oft wird dieses als Schlafzimmer genutzt. Die Futons werden Morgens zusammen gerollt, damit der Raum noch anderweitig genutzt werden kann, und im Schrank verstaut. Abends werden sie dann wieder hervorgeholt und ausgerollt.  

Der Tatami Raum besteht nur aus drei Elementen: 
– Tatami Matten
– Shoji
– Tokonoma

Was Tatami Matten sind hatte ich oben ja schon erwähnt. Shoji sind Schiebewände bzw. Schiebetüren aus Holz die mit Papier bespannt sind (im letzten Bild am Fenster zu sehen). Tokonoma sind Nischen in denen oft ein Bild oder ein Papyrus mit Kalligrafie hängt. Es ist in vielerlei Hinsicht der Mittelpunkt des Zimmers, ähnlich wie ein Kamin in der westlichen Welt. 

In der japanischen Kultur hat das Tatami Zimmer allerdings noch weitere Zwecke zu erfüllen. Zum Beispiel als Familienzimmer, als Zimmer zum Empfang von Gästen oder auch einfach als Spielzimmer für die Kinder. 

Für mich sind diese Zimmer der Inbegriff von Minimalismus. Alles hat seinen zugewiesenen Zweck, nichts ist überflüssig oder unnütz. Es enthält genau das, was benötigt wird. Schauen wir uns doch mal kurz in unseren eigenen Zimmern um, von all den Dingen die wir sehen, was benötigen wir davon wirklich?

 

 

Das Titelbild zeigt den Gojo Tenjisha Schrein und befindet sich im Ueno Park, Tokyo. Die Fotos wurden von mir im September 2013 und November 2016 aufgenommen, das Copyright der Fotos liegt bei mir, Verwendung nur auf Nachfrage!

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Mike

Japanologie und Philosophie Student an der Goethe Uni Frankfurt. Geboren 1979 in eine Zeit die von Star Wars, Pixeln und Zeichentrick Serien geprägt war. Nerd mit Herz und aus Leidenschaft. Cineast, Comic Liebhaber mit einem Faible für Marvel. Videospiel- und Serienjunkie, geformt in einer Zeit die heute als Retro bekannt ist. Führt eine Liebesbeziehung mit Japan, der Kultur und dem Nerdtum. Foodie mit Leib und Seele.

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